Berufsreifeprüfung in Österreich: Für wen sie wirklich sinnvoll ist
Wer in Österreich nach einer Lehre oder einer berufsbildenden Schule doch noch die Matura nachholen möchte, stößt früher oder später auf die Berufsreifeprüfung. Sie öffnet die Tür zu Universitäten, Fachhochschulen und Pädagogischen Hochschulen – ohne dass dafür eine AHS oder BHS abgeschlossen werden muss. Für viele Menschen ist das eine echte zweite Chance, für andere wiederum lohnt sich der Aufwand nicht zwingend. Dieser Ratgeber erklärt, wie die Berufsreifeprüfung funktioniert, wer sie ablegen kann und für wen sie tatsächlich eine gute Entscheidung ist.
Was ist die Berufsreifeprüfung überhaupt?
Die Berufsreifeprüfung, kurz BRP, ist eine staatlich anerkannte Prüfung, die in Österreich die allgemeine Hochschulreife verleiht. Das bedeutet: Wer sie erfolgreich abschließt, hat dieselben Zugangsmöglichkeiten zu österreichischen Hochschulen wie Absolventinnen und Absolventen einer Matura.
Sie besteht aus vier Teilprüfungen in den Bereichen Deutsch, Mathematik, einer lebenden Fremdsprache sowie einem Fachbereich, der mit dem eigenen Beruf oder der absolvierten Ausbildung zusammenhängt. Jede dieser Teilprüfungen kann einzeln und unabhängig voneinander abgelegt werden – das macht die BRP zeitlich sehr flexibel.
Wer darf die Berufsreifeprüfung ablegen?
Voraussetzung für die Zulassung zur Berufsreifeprüfung ist eine abgeschlossene Berufsausbildung. Das umfasst in der Regel:
- eine abgeschlossene Lehre (mit Facharbeiterbrief oder Gesellenprüfung)
- den Abschluss einer berufsbildenden mittleren Schule (BMS), also etwa einer Fachschule
- eine abgeschlossene Ausbildung in einem gesetzlich geregelten Gesundheitsberuf
- eine mindestens dreijährige einschlägige Berufstätigkeit in bestimmten Fällen
Die genauen Zugangsvoraussetzungen können je nach Bundesland und Prüfungsanbieter leicht variieren. Es empfiehlt sich daher, die jeweiligen Anforderungen direkt bei einer Volkshochschule, einem BFI, einem WIFI oder der zuständigen Schulbehörde zu erfragen.
Wie läuft die Vorbereitung ab?
Für die meisten Menschen ist eine gezielte Vorbereitung auf die vier Teilprüfungen notwendig. Dafür stehen in ganz Österreich Vorbereitungskurse zur Verfügung – angeboten etwa von Volkshochschulen, dem WIFI oder dem BFI. Diese Kurse sind darauf ausgelegt, Berufstätige zu unterstützen, und finden häufig abends oder an Wochenenden statt.
Wer die Vorbereitungskurse an einer Volkshochschule besucht, kann die Teilprüfungen in der Regel direkt dort ablegen. Alternativ ist auch reines Selbststudium möglich, allerdings erfordert das erhebliche Disziplin und eine realistische Einschätzung des eigenen Lernstands.
Ein wichtiger Vorteil: Die vier Teilprüfungen müssen nicht alle auf einmal absolviert werden. Es ist möglich, sie über mehrere Jahre zu verteilen – was gerade für Berufstätige mit Familie eine wichtige Erleichterung darstellt.
Was kostet die Berufsreifeprüfung?
Die Kosten setzen sich aus den Kursgebühren für die Vorbereitung und den Prüfungsgebühren zusammen. Vorbereitungskurse können je nach Anbieter, Bundesland und Umfang zwischen einigen Hundert und einigen Tausend Euro kosten – für alle vier Fachbereiche zusammen.
Seit einigen Jahren gibt es in Österreich jedoch eine bedeutende Erleichterung: Vorbereitungskurse auf die Berufsreifeprüfung sind unter bestimmten Voraussetzungen kostenlos zugänglich, wenn sie an Volkshochschulen oder vergleichbaren öffentlich geförderten Einrichtungen belegt werden. Die genauen Bedingungen und die Verfügbarkeit dieser Förderung sollten aktuell direkt bei der jeweiligen Einrichtung erfragt werden, da sich die Regelungen ändern können.
Hinzu kommen Prüfungsgebühren, die je nach Prüfungsort unterschiedlich ausfallen können. Auch hier gibt es in manchen Fällen Ermäßigungen oder Befreiungen.
Für wen lohnt sich die Berufsreifeprüfung?
Die Antwort hängt stark von den persönlichen Zielen ab. Grundsätzlich kann die Berufsreifeprüfung in folgenden Situationen sehr sinnvoll sein:
- Wer ein Studium aufnehmen möchte: Ohne Matura ist der Zugang zu Universitäten und Fachhochschulen in Österreich stark eingeschränkt. Die BRP schafft hier Klarheit und öffnet regulären Zugang.
- Wer beruflich aufsteigen will: Manche Positionen im öffentlichen Dienst oder in größeren Unternehmen setzen die Matura voraus. Die Berufsreifeprüfung ist der Hochschulreife gleichgestellt.
- Wer eine Ausbildung zum Lehrberuf oder in einem Gesundheitsberuf anstrebt: Für bestimmte Ausbildungen an Pädagogischen Hochschulen oder in reglementierten Berufen ist die Matura Voraussetzung.
- Wer seine persönliche Qualifikation stärken möchte: Für manche Menschen ist der Abschluss auch ein persönliches Ziel – unabhängig von konkreten beruflichen Plänen.
Weniger sinnvoll ist die Berufsreifeprüfung hingegen für jene, die bereits in ihrem Beruf gut etabliert sind, keine weiteren Bildungsziele verfolgen und den zeitlichen sowie finanziellen Aufwand scheuen. Sie ist kein Selbstzweck, sondern ein Werkzeug für konkrete Vorhaben.
Wie unterscheidet sich die Berufsreifeprüfung von der Studienberechtigungsprüfung?
Beide Prüfungen ermöglichen den Zugang zu Hochschulen in Österreich, unterscheiden sich aber wesentlich in ihrer Reichweite. Die Berufsreifeprüfung verleiht die allgemeine Hochschulreife – sie ist also für alle Studienrichtungen und Hochschultypen gültig.
Die Studienberechtigungsprüfung hingegen berechtigt nur zum Studium bestimmter, vorab gewählter Fachrichtungen. Sie ist leichter und schneller zu absolvieren, bietet aber weniger Flexibilität. Wer also noch nicht genau weiß, was er oder sie studieren möchte, ist mit der Berufsreifeprüfung besser beraten.
Wie realistisch ist der Erfolg?
Die Berufsreifeprüfung stellt inhaltlich durchaus Anforderungen. Wer seit der Schulzeit nicht mehr viel mit Mathematik oder Deutsch in schriftlicher Form zu tun hatte, muss mit einem ehrlichen Blick auf den eigenen Lernaufwand rechnen. Gleichzeitig zeigt die Praxis, dass viele Berufstätige die Prüfung erfolgreich abschließen – sofern sie die Vorbereitung ernst nehmen und ausreichend Zeit einplanen.
Realistisch einplanen sollte man pro Teilprüfung mehrere Monate Vorbereitungszeit, abhängig vom persönlichen Vorwissen und dem Lernpensum, das neben dem Beruf möglich ist. Wer die vier Bereiche auf zwei bis drei Jahre verteilt, hat in der Regel eine gut handhabbare Belastung.
Fazit
Die Berufsreifeprüfung ist für viele Menschen in Österreich eine sinnvolle und erreichbare Möglichkeit, den Bildungsweg zu erweitern. Sie lohnt sich vor allem dann, wenn konkrete berufliche oder akademische Ziele dahinterstehen – sei es ein Studium, ein Karriereschritt oder der Zugang zu einer bestimmten Ausbildung. Der Aufwand ist nicht zu unterschätzen, aber mit guter Planung und der richtigen Unterstützung durch Vorbereitungskurse sehr gut zu bewältigen. Wer noch unsicher ist, ob die BRP die richtige Wahl ist, findet bei Bildungsberatungsstellen in den meisten Bundesländern kostenlose Orientierungsgespräche.

















