Tauben können sich am Magnetfeld der Erde orientieren. Wie sie dieses Feld genau wahrnehmen, war lange Zeit unklar. Eine deutsche Forschungsgruppe berichtet nun über neue Erkenntnisse zur Rolle innerer Organe bei der Magnetwahrnehmung.
Die Forschenden untersuchten bei Tauben verschiedene Organe darauf, ob sie an der Wahrnehmung des Erdmagnetfelds beteiligt sein könnten. Analysiert wurden unter anderem Gehirn, Augen, Schnabel, Leber und Milz. In der Leber fanden sie dabei die höchste Eisenkonzentration der untersuchten Gewebe.
In der Taubenleber wurden spezielle Immunzellen identifiziert, sogenannte Makrophagen, die alte rote Blutkörperchen abbauen. Diese Zellen reichern beim Abbau große Mengen Eisen an. Nach Angaben von Ulf Wiedwald liegt das Eisen in diesen Zellen in Form von Oxid-Nanopartikeln kristallisiert vor, die er als superparamagnetisch beschreibt.
Elektronenmikroskopische Aufnahmen zeigten, dass die eisenreichen Makrophagen in der Nähe von Nervenfasern liegen. Die Studie berichtet zudem über Versuche mit Brieftauben, bei denen diese Makrophagen geschädigt waren. Die betroffenen Tiere fanden an bewölkten Tagen einen knapp 20 Kilometer langen Heimweg nicht, konnten ihn jedoch zurücklegen, wenn die Sonne schien.
Studienautorin Clivia Lisowski vom Universitätsklinikum Bonn erläutert, dass Leber und Milz bereits zuvor als mögliche Gewebe mit magnetischen Eigenschaften galten, weil sie rote Blutkörperchen abbauen und viel Eisen speichern. Im weiteren Umfeld der Forschung gibt es konkurrierende Theorien zur Magnetwahrnehmung bei Vögeln, die lichtempfindliche Moleküle im Auge oder magnetische Partikel im Schnabel betreffen.
Simon Spiro von der Zoological Society of London und Hal Drakesmith von der University of Oxford verfassten in »Science« einen Kommentar zu der Studie. Sie betonen, dass die Ergebnisse Fragen aufwerfen und weisen darauf hin, dass es möglicherweise verschiedene lichtunabhängige Mechanismen der Magnetwahrnehmung geben könnte. Zudem wird die Möglichkeit erwähnt, dass das beschriebene Prinzip der Magnetwahrnehmung auch für andere Tiere gelten könnte, die in der Dunkelheit unterwegs sind, etwa Fledermäuse und Haie.
Hinweis zur Faktenprüfung
Diese Informationen wurden mit KI-Unterstützung auf Basis der vorliegenden Daten gegengeprüft und sprachlich aufbereitet. Die Angaben beziehen sich auf den zum Erstellungszeitpunkt verfügbaren Informationsstand.

















