Eine Rakete des Typs New Glenn des Raumfahrtunternehmens Blue Origin ist bei einem Test auf der Startrampe am Weltraumbahnhof Cape Canaveral im US-Bundesstaat Florida explodiert. Die Explosion führte zu einem großen Feuerball, verletzt wurde nach Angaben der Betreiber des Weltraumbahnhofs niemand.
Die Explosion ereignete sich an einem Donnerstagabend gegen 21 Uhr Ortszeit. Die betroffene New-Glenn-Rakete sollte für einen Flug im Juni vorbereitet werden, bei dem 48 Satelliten für den Onlinehändler Amazon ins All gebracht werden sollten. Diese Satelliten befanden sich noch nicht an Bord der Rakete. Die Ursache der Explosion war zum Zeitpunkt der Veröffentlichung nach Angaben von Blue-Origin-Gründer Jeff Bezos noch nicht bekannt.
Einbindung in Mondprogramm der NASA
Blue Origin ist in das Mondprogramm Artemis der US-Raumfahrtbehörde NASA eingebunden. Das Unternehmen soll im Auftrag der NASA eine Landefähre für das Artemis-Programm entwickeln, die von der Rakete New Glenn ins Weltall transportiert werden soll.
Artemis II war die erste bemannte Mission des aktuellen Mondprogramms. Dabei umrundeten Astronauten in einem Raumschiff den Mond, ohne zu landen. Für Artemis III ist vorgesehen, das Andocken des Raumschiffs an eine Landefähre zu üben. Nach Angaben der NASA soll dabei eine Landefähre von Blue Origin oder SpaceX, möglicherweise auch beide, eingesetzt werden. Artemis III ist derzeit für das Jahr 2028 geplant. Im Rahmen der Mission Artemis IV ist eine Mondlandung vorgesehen.
Die Landefähre von SpaceX für das Artemis-Programm basiert auf einer Variante der Rakete Starship. Die Starship-Rakete befindet sich in einer Testphase; SpaceX hat dazu zwölf Testflüge durchgeführt. Beim zwölften Testflug traten einige Störungen auf, der Flug galt jedoch weitgehend als erfolgreich.
Reaktionen und Untersuchungen
Jeff Bezos kommentierte den Vorfall mit der New-Glenn-Rakete auf der Plattform X. Auch SpaceX-Chef Elon Musk äußerte sich dort zur Explosion und wünschte Blue Origin eine schnelle Erholung. Jared Isaacman, der im Zusammenhang mit der US-Raumfahrtbehörde genannt wird, erklärte auf X, die Entwicklung von Raketen sei „außerordentlich schwierig“, und kündigte eine „gründliche Untersuchung dieser Anomalie“ an.
Nach dem zwölften Testflug der Starship-Rakete hatte die US-Flugaufsicht FAA eine Untersuchung angeordnet und weitere Testflüge vorläufig untersagt. Im Juni des Vorjahres vor der Veröffentlichung explodierte zudem eine Starship-Rakete auf der Startrampe des SpaceX-Weltraumbahnhofs in Texas.
Bedeutung für Satellitenprojekte
Bei der für Juni geplanten Mission mit New Glenn sollten 48 Satelliten für Amazon gestartet werden. Amazon baut ein Netzwerk von Satelliten auf, um Internetzugänge aus dem All anzubieten. Das Projekt trägt den Namen Leo und steht im Wettbewerb mit dem Satellitennetzwerk Starlink von SpaceX.
Entwicklung von New Glenn
New Glenn hatte zum Zeitpunkt der Explosion drei Starts hinter sich. Beim ersten Start Anfang 2025 erreichte die Rakete den Weltraum, die Rückführung der ersten Stufe zur Erde gelang jedoch nicht. Beim zweiten Flug im November 2025 konnte Blue Origin die erste Stufe erfolgreich zurückführen; dieser Flug wurde im Auftrag der NASA durchgeführt.
Der dritte Flug im April war die erste kommerzielle Mission für einen Satellitenanbieter. Dabei wurde der Satellit nicht an den vorgesehenen Ort im Weltraum gebracht.
Blue Origin, SpaceX und der Weltraumtourismus
Blue Origin wurde im Jahr 2000 von Jeff Bezos gegründet und seit seiner Gründung überwiegend von ihm selbst finanziert. Das Unternehmen wurde vor allem durch kurze touristische Flüge mit der Rakete New Shepard bis zur sogenannten Kármán-Linie bekannt, die etwa 100 Kilometer über dem Meeresspiegel liegt.
Im Januar setzte Blue Origin die Flüge mit New Shepard für mindestens zwei Jahre aus. Das Unternehmen begründete dies damit, sich stärker auf Mondprojekte konzentrieren zu wollen.
SpaceX wurde im Jahr 2002 gegründet und führt seit Jahren Missionen für die NASA durch.
Vorbereiteter Börsengang von SpaceX
SpaceX bereitet einen Börsengang vor und will Medienberichten zufolge 75 Milliarden Dollar einsammeln. Das Unternehmen hat in der Woche vor der Veröffentlichung seinen Börsenprospekt vorgelegt, der Börsengang wird für den 12. Juni erwartet.
Nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg peilt SpaceX für den Börsengang eine Bewertung von 1,8 Billionen Dollar an, nachdem zuvor eine Bewertung von zwei Billionen Dollar in Aussicht gestellt worden war. Die Anpassung erfolgte demnach nach Gesprächen mit Beratern und Investoren, die Zielbewertung könnte später wieder erhöht werden. Mit einer Bewertung von 1,8 Billionen Dollar würde SpaceX zu den zehn wertvollsten börsennotierten US-Unternehmen gehören.
SpaceX war im betrachteten letzten Geschäftsjahr defizitär. Das Unternehmen erzielte einen Umsatz von 18,7 Milliarden Dollar und wies einen Nettoverlust von 4,9 Milliarden Dollar aus.
Weiterführende Links
- https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/unternehmen/jeff-bezos-und-blue-origin-warum-die-explosion-der-rakete-ein-rueckschlag-fuer-amerikas-mondplaene-ist-200879947.html
- https://www.manager-magazin.de/unternehmen/tech/spacex-milliarden-fliessen-vor-mega-boersengang-in-fonds-mit-spacex-anteilen-a-71789246-db3c-43a9-9f41-e5820f4a43e9

















