FDP im Umbruch: Wolfgang Kubicki soll neuer Chef werden und die liberalen Geister wiederbeleben

Dieses Thema Freunden empfehlen

Die FDP stellt nach einer Serie von Wahlniederlagen ihre Parteispitze neu auf. Auf einem Bundesparteitag in Berlin wird an diesem Wochenende die komplette Führung des Bundesverbandes nur für ein Jahr gewählt.

Es ist bereits der zweite personelle Neuanfang der Partei innerhalb eines Jahres. Einziger Bewerber für den Bundesvorsitz ist der bisherige Vizechef Wolfgang Kubicki, der seit 2013 stellvertretender Bundesvorsitzender ist.

Neuwahl der Parteiführung nach Landtagswahlern

Auslöser für den Wechsel an der Parteispitze sind die jüngsten Ergebnisse bei den Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz 2026. Die FDP kam in Baden-Württemberg auf 4,4 Prozent und in Rheinland-Pfalz auf 2,1 Prozent der Stimmen und verpasste damit jeweils den Einzug in den Landtag. In der Folge traten Präsidium und Bundesvorstand der FDP zurück.

Christian Dürr, bisheriger FDP-Bundesvorsitzender und zuvor Fraktionschef der FDP im Bundestag, verzichtete nach der Kandidaturankündigung Kubickis auf eine erneute Bewerbung. Dürr war nach dem Scheitern der FDP an der Fünf-Prozent-Hürde bei der Bundestagswahl im Februar 2025 an die Parteispitze gewechselt. Auch der nordrhein-westfälische FDP-Chef Henning Höne zog seine Bewerbung für den Vorsitz zurück.

Höne will nun stellvertretender Vorsitzender unter Kubicki werden. Die Amtszeit der neu gewählten FDP-Führung ist auf ein Jahr begrenzt.

Kubicki setzt auf Bekanntheit und Erfahrung

Wolfgang Kubicki ist 74 Jahre alt und seit Jahrzehnten in der FDP aktiv. Er trat 1971 in die Partei ein, war von 1989 bis 1993 FDP-Landesvorsitzender in Schleswig-Holstein und gehört seit 2013 dem Bundespräsidium als stellvertretender Bundesvorsitzender an. Bei seiner Wiederwahl als Vizechef vor einem Jahr erhielt er 69,1 Prozent der Stimmen – das schwächste Ergebnis unter den Kandidatinnen und Kandidaten für das FDP-Präsidium ohne Gegenbewerber.

Parlamentarische Mandate hatte Kubicki mehrfach auf Landes- und Bundesebene inne. Von 1992 bis 2017 saß er im Landtag von Schleswig-Holstein. Im Bundestag war er zunächst von 1990 bis 1992, kurzzeitig von Oktober bis Dezember 2002 sowie von 2017 bis 2025 vertreten. In den acht Jahren von 2017 bis 2025 amtierte er als Vizepräsident des Deutschen Bundestags.

Kubicki verweist darauf, die FDP bereits viermal in Parlamente zurückgeführt zu haben – nach seinen Angaben zweimal in Schleswig-Holstein und zweimal in den Bundestag. In einem Kandidatenhearing mit Henning Höne Mitte Mai erklärte er, er habe die Partei „viermal in Parlamente zurückgeführt, wo keiner dran dachte, dass es funktionieren kann“.

Als Vorteil nennt Kubicki seine große Bekanntheit. Politische Themen bräuchten seiner Auffassung nach Personen, die Aufmerksamkeit erzeugen könnten. Kubicki tritt häufig in Talkshows auf und wird dort als Medienprofi beschrieben. Er besitzt ein Motorboot, spielt Golf, trinkt gern Weißwein und ist Inhaber einer eigenen Anwaltssozietät. Auch während seiner Abgeordnetentätigkeit war er weiter als Rechtsanwalt tätig. Zunächst studierte er Volkswirtschaftslehre, später Jura.

Klare Absage an Zusammenarbeit mit der AfD

In der Auseinandersetzung mit der AfD hat Kubicki sich wiederholt geäußert. Er sagte unter anderem den Satz: „Brandmauer? Kenne ich nicht. Steht nicht in der Verfassung. Gibt’s nicht“. Zugleich betont er, es werde mit der AfD weder eine Tolerierung noch eine Koalition geben.

Marie-Agnes Strack-Zimmermann, Europa-Politikerin der FDP, warnte davor, die Partei nach rechts zu verschieben. Sie zeigte zum Zeitpunkt des Parteitags keine Ambitionen auf den Bundesvorsitz.

Spannende Wahltermine in mehreren Bundesländern

Die neu gewählte FDP-Führung steht rasch vor wichtigen Bewährungsproben. Erste Wahlen nach dem Führungswechsel finden im September in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin statt. In Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt ist die FDP derzeit noch in den Landtagen vertreten, in Magdeburg gehört sie der Landesregierung an. In allen drei Ländern liegt die FDP in Meinungsumfragen unter fünf Prozent.

Im April des Folgejahres stehen Landtagswahlen in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen an. Schleswig-Holstein gilt als politische Heimat Kubickis, Nordrhein-Westfalen als politische Heimat von Henning Höne. Mögliche Misserfolge bei diesen Landtagswahlen würden die neue FDP-Spitze nach Einschätzungen stark beschädigen.

Nach der als verpatzt beschriebenen Bundestagswahl hatten sich neben dem damaligen FDP-Chef Christian Lindner zahlreiche führende Köpfe und Talente der Partei aus der Politik zurückgezogen. Christian Dürr war in dieser Situation vom Fraktionsvorsitz an die Parteispitze gewechselt.

In der Auseinandersetzung mit anderen Parteien sorgten Äußerungen Kubickis wiederholt für Aufmerksamkeit. So bezeichnete er Bundeskanzler Friedrich Merz als „Eierarsch“, nachdem dieser die FDP für politisch tot erklärt hatte. Kubicki selbst nennt sich gelegentlich „Krawallmacher aus dem Norden“.

Beitrag teilen