Habeck über Politik nach dem Bundestag: Fesselnde Diskussionen im Berliner Admiralspalast

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Robert Habeck diskutiert im Berliner Admiralspalast über Politik, Bundestag und Liberale

Der ehemalige Wirtschaftsminister Robert Habeck hat sich bei einem öffentlichen Gespräch in Berlin zu seiner Zeit nach dem Bundestag, zur aktuellen Bundesregierung und zu Vorstellungen für die politische Kultur in Deutschland geäußert. Das SPIEGEL-Spitzengespräch fand unter dem Titel »Ist die Welt aus den Fugen« im Admiralspalast statt und wurde von Markus Feldenkirchen moderiert.

Habeck war zum Zeitpunkt des Gesprächs nicht mehr aktiver Abgeordneter. Er hatte den Bundestag im Spätsommer 2025 verlassen und ist seither zeitweise an verschiedenen ausländischen Hochschulen tätig, unter anderem an der University of Pennsylvania, an der Hebrew University in Jerusalem und auf dem Campus in Berkeley. Derzeit arbeitet er in Kopenhagen am Danish Institute for International Studies und betreibt seit Oktober 2025 das Talkformat »Habeck live« am Berliner Ensemble.

Rückblick auf Wahl, Ampelzeit und internationale Politik

Mit Blick auf die Bundestagswahl sagte Habeck, er habe »keinen Plan für danach« gehabt und die Wahl gewinnen wollen. Dass es anders gekommen sei, bereite ihm »keinen Schmerz«. Die interessantesten Fragen seien für ihn jene zur Zukunft, nicht zur Vergangenheit. Im Gespräch ging es zudem um seinen Einstieg in die Politik, seinen Aufstieg und das gemeinsame Schreiben mit seiner Ehefrau Andrea Paluch.

Thema waren auch das Ende der Ampelregierung sowie internationale Konflikte wie Russland und die Ukraine, der Krieg gegen Iran und die USA unter Donald Trump. Über Trump sagte Habeck, dieser wolle der »größte Präsident aller Zeiten« werden und habe sich die »größte Insel« Grönland gewünscht. Er bewertete dies mit den Worten: »Also am Ende ist es Größenwahn.« Zugleich sagte er, es sei naiv zu glauben, eine einzelne Person könne den Unterschied machen, wenn die Struktur von Gesellschaft und Politik gleich bleibe.

Vorschläge für Bundestag und Koalitionsbildung

Habeck brachte mehrere Überlegungen zur politischen Arbeitsweise ein. Als »Gedankenspiel« schlug er einen Bundestag ohne feste Sitzordnung vor. Rednerinnen und Redner wüssten dann nicht, wer ihre »Peergroup« sei. Er kritisierte, dass derzeit oft Reden gehalten würden, um die eigene »Peergroup« zu aktivieren.

Darüber hinaus regte Habeck an, Parteien könnten im Wahlkampf verschiedene mögliche Koalitionsverträge vorab ausarbeiten. Dann sei kein Bürger von Kompromissen nach der Wahl überrascht, sagte er. Zugleich schränkte er ein, in der »Regellogik« könne ein solcher Vorschlag nicht funktionieren. Philosophie bezeichnete Habeck als sein Lieblingsfach im Studium.

Bewertung der Merz-Regierung

Im Gespräch äußerte sich Habeck zur aktuellen Regierung unter Friedrich Merz. Er sagte, er habe sie nicht gewählt und es sei nicht seine Regierung. Zugleich erklärte er, er wünsche sich, dass die Merz-Regierung »die Dinge gefixt« bekomme. »Jetzt müssen sie sich halt mit der Wirklichkeit auseinandersetzen«, sagte Habeck.

Mit Verweis auf die internationale Lage erklärte Habeck, 2021 sei der Krieg Russlands gegen die Ukraine absehbar gewesen. Für das Jahr 2025 habe es darum gehen müssen, die Nato zu stärken. Insgesamt konstatierte er, sein politischer Ansatz habe im Moment wenig Raum.

FDP, Wolfgang Kubicki und Volker Wissing

Am Tag nach dem Gespräch war in Berlin ein FDP-Bundesparteitag geplant, auf dem voraussichtlich Wolfgang Kubicki zum neuen Vorsitzenden gewählt werden sollte. Kubicki und Habeck hatten zusammen die Jamaika-Landeskoalition in Schleswig-Holstein mit auf den Weg gebracht; in der Zeit der Ampelregierung gehörte Kubicki zu Habecks härtesten Kritikern. Auf die Frage nach aktuellem Kontakt sagte Habeck: »Nee, wir kannten uns gut früher.« Die FDP kämpft nach dem zweiten Rauswurf aus dem Bundestag in ihrer Geschichte im Jahr 2025 um ihr Überleben.

Habeck betonte, es brauche eine liberale Kraft in Deutschland. Seine eigene Partei beschrieb er als mit einem starken rechtsstaatlichen Flügel, verwies aber auch auf gegenläufige Tendenzen. Die Lücke bei den Liberalen liege für ihn nicht zwischen CDU und AfD, sondern im Zentrum der Demokratie. Zu Kubicki sagte er: »Er wird die FDP nicht zu der Partei machen, die Deutschland braucht« und erklärte, er wisse nicht, ob Kubicki die FDP wiederbeleben könne.

Im Verlauf des Abends wurde ein Einspieler mit Volker Wissing gezeigt. Wissing hatte nach dem Bruch der Ampel die FDP verlassen, war aber bis zum Ende im Minderheitskabinett aus SPD und Grünen geblieben. Er sagte in dem Einspieler, die Demokratie lebe vom Kompromiss und nicht davon, dass sich die Beteiligten gegenseitig besiegten. Habeck kommentierte: »Das ist eine FDP, die regierungsfähig ist« und fügte hinzu, man könne »mehr vom Schlage Volker« gut gebrauchen.

Aussagen zu Markus Söder und persönlicher Zukunft

Anknüpfend an innerparteiliche und interparteiliche Konstellationen wurde im Gespräch auch über zwei als »Alpha-Männer« bezeichnete Politiker aus FDP und CSU gesprochen. Am Ende des Abends fragte Moderator Feldenkirchen Habeck, was er an Markus Söder am meisten bewundere. Habeck antwortete: »Markus Söder gehört wirklich zu den Menschen, an denen ich nichts bewundere.« Im Admiralspalast reagierte das Publikum mit Gelächter und Applaus.

Auf die Frage, ob er als »Retter der Welt« in die Politik zurückkehren werde, verwies Habeck auf seine derzeitigen anderen Tätigkeiten. Zu seiner Zeit nach der Bundestagswahl sagte er, er habe damals keinen Plan für die Zeit danach gehabt. Zugleich betonte er, er spreche sich nicht frei davon, in der Vergangenheit nichts getan zu haben.

Der Mitschnitt des Gesprächsabends soll am Samstagabend auf spiegel.de zu sehen sein.

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