Der gesetzliche Mindestlohn ist in Deutschland zum 1. Januar 2026 gestiegen. Er gilt grundsätzlich für fast alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer – auch bei Minijobs. Einige Gruppen sind ausgenommen, zum Beispiel Auszubildende und bestimmte Pflichtpraktika.
Wichtig: In Österreich gibt es keinen einheitlichen gesetzlichen Mindestlohn wie in Deutschland. Dort werden Mindestlöhne überwiegend über Kollektivverträge geregelt.
Fakten- Mindestlohn Deutschland
| Kurzübersicht 2026 | Wichtigster Punkt |
|---|---|
| Höhe 2026 (DE) | 13,90 € brutto pro Stunde |
| Gültig ab | 1. Januar 2026 (nächster Schritt: 1. Januar 2027) |
| Wer bekommt ihn? | Grundsätzlich Beschäftigte (auch Minijob), mit wenigen Ausnahmen |
| Ausnahmen (Beispiele) | Azubis, unter 18 ohne Abschluss, bestimmte Pflichtpraktika, Langzeitarbeitslose in den ersten 6 Monaten |
| Rechtsgrundlage | Mindestlohngesetz (MiLoG) + Fünfte Mindestlohnanpassungsverordnung (MiLoV5) |
| Kontrolle & Strafen | Zoll (FKS); Bußgelder bis 500.000 € möglich |
Höhe 2026 und nächste Anpassung
| Jahr | Gesetzlicher Mindestlohn (brutto/Std.) |
|---|---|
| 2025 | 12,82 € |
| 2026 | 13,90 € |
| 2027 | 14,60 € |
- Die Erhöhung 2026/2027 beruht auf dem Beschluss der Mindestlohnkommission (27. Juni 2025) und wurde per Verordnung umgesetzt.
- Der Mindestlohn ist ein Bruttostundenlohn. Abzüge (z. B. Steuern, Sozialabgaben) hängen vom Einzelfall ab.
Wer hat Anspruch?
- Grundsatz: Anspruch haben Beschäftigte in Deutschland (Vollzeit, Teilzeit, Minijob), wenn sie Arbeitnehmerinnen/Arbeitnehmer sind.
- Gilt auch für Beschäftigte von Arbeitgebern mit Sitz im Ausland, wenn die Arbeit in Deutschland erfolgt (je nach Regelung auch über Branchenmindestlöhne).
- Wichtig: Selbstständige fallen nicht unter den gesetzlichen Mindestlohn.
Minijob 2026: Was ändert sich praktisch?
- Der Mindestlohn gilt auch im Minijob.
- Weil die Verdienstgrenze am Mindestlohn hängt, steigt die Minijob-Grenze 2026 auf rund 603 € pro Monat.
- Faustregel für die Planung: 603 € / 13,90 € ≈ 43 Stunden pro Monat (gerundet; je nach Monat unterschiedlich).
Ausnahmen: Wer bekommt keinen (oder nicht sofort den) Mindestlohn?
- Auszubildende (für sie gelten eigene Regeln zur Mindestausbildungsvergütung).
- Jugendliche unter 18 ohne abgeschlossene Berufsausbildung.
- Bestimmte Praktika, vor allem Pflichtpraktika (Details unten).
- Langzeitarbeitslose: In den ersten 6 Monaten einer neuen Beschäftigung kann eine Ausnahme gelten.
- Freiwilligendienste/Ehrenamt: je nach Konstellation vom Mindestlohn ausgenommen.
Praktikum: Schnell-Check
| Praktikumstyp | Mindestlohn? |
|---|---|
| Pflichtpraktikum (Schule/Hochschule/Ausbildung vorgeschrieben) | In der Regel: nein |
| Pflichtpraktikum als Zulassungsvoraussetzung (z. B. vor Studienbeginn) | Nein (Rechtsprechung bestätigt bestimmte Fälle) |
| Freiwilliges Orientierungspraktikum (kurz, zur Berufs-/Studienorientierung) | Je nach Dauer/Einordnung: häufig begrenzt ausgenommen |
| Freiwilliges Praktikum > 3 Monate | Typisch: Mindestlohnpflicht (ab Start oder spätestens ab Überschreiten der Grenze) |
Praxis-Tipp: Lassen Sie sich die Praktikumsart (Pflicht/freiwillig), Dauer und rechtliche Grundlage schriftlich geben. Genau diese Punkte entscheiden, ob Mindestlohn gezahlt werden muss.
Dokumentationspflicht: Wann müssen Arbeitszeiten besonders genau aufgeschrieben werden?
- In bestimmten Branchen und Konstellationen (z. B. häufig bei Minijobs) müssen Arbeitszeiten dokumentiert werden.
- Typische Regel: Die Arbeitszeit muss spätestens innerhalb weniger Tage nach der Arbeitsleistung erfasst sein (konkret nach Vorgabe der zuständigen Regeln).
- Für Arbeitgeber wichtig: Saubere Zeiterfassung senkt das Risiko bei Prüfungen.
Kontrolle, Nachzahlung, Strafen
- Die Kontrolle der Mindestlohn-Einhaltung erfolgt u. a. durch den Zoll (Finanzkontrolle Schwarzarbeit).
- Bei Mindestlohnverstößen sind Bußgelder bis zu 500.000 € möglich; bei Verstößen gegen Pflichten, die der Kontrolle dienen (z. B. Arbeitszeitaufzeichnungen), sind ebenfalls empfindliche Bußgelder möglich.
- Zusätzlich kann es Folgen bei öffentlichen Aufträgen geben (z. B. Ausschluss von Vergaben).
Was tun, wenn Sie weniger als den Mindestlohn bekommen?
- Arbeitszeiten sichern: Eigene Liste führen (Datum, Beginn, Ende, Pausen).
- Lohnabrechnungen sammeln: Abrechnungen, Dienstpläne, Chat-Nachrichten, Schichtbestätigungen.
- Gespräch suchen: Sachlich um Korrektur/Nachzahlung bitten.
- Hilfe holen: Betriebsrat, Gewerkschaft, Beratungsstellen oder Fachanwalt/Fachanwältin für Arbeitsrecht.
- Melden/prüfen lassen: Bei schweren oder wiederholten Verstößen kann auch der Zoll zuständig sein.
Deutschland vs. Österreich: Warum „Mindestlohn“ nicht dasselbe bedeutet
- Deutschland: einheitlicher gesetzlicher Mindestlohn (MiLoG) als Stundenlohn.
- Österreich: kein einheitlicher gesetzlicher Mindestlohn; Mindestentgelte werden überwiegend in Kollektivverträgen (oder Mindestlohntarifen) festgelegt und sind verbindlich.
Belegbare Aussagen zum Mindestlohn (Deutschland) – Pro
| Wer / wo / wann | Kernaussage |
|---|---|
| DGB, Pressemitteilung (28.12.2025) Stefan Körzell (DGB-Vorstand) | Die Erhöhung bringt Millionen Beschäftigten spürbar mehr Einkommen; besonders profitieren u. a. Frauen und Dienstleistungsbranchen. |
| Bundesregierung, Info-Beitrag (01.01.2026) | Höhere Löhne sollen Kaufkraft stärken und den Niedriglohnsektor verkleinern. |
| DIW, Beitrag (02.05.2025) Marcel Fratzscher (Ökonom) | Ein deutlich höherer Mindestlohn könne wirtschaftlich tragbar sein und Ungleichheit reduzieren. |
| Hans-Böckler-Stiftung, Überblick (2024/2025) | Viele Studien sehen positive Effekte (v. a. höhere Löhne am unteren Rand) und keine „massiven“ Beschäftigungseinbrüche als Standardergebnis. |
| WSI/HBS, Analyse/Impuls (2025) | Für eine Orientierung an 60 % des Medianlohns läge ein „angemessener“ Mindestlohn rechnerisch in der Nähe von 15 € (je nach Datengrundlage). |
Belegbare Aussagen zum Mindestlohn (Deutschland) – Kontra
| Wer / wo / wann | Kernaussage |
|---|---|
| ifo Institut, Pressemitteilung (21.02.2025) Clemens Fuest (ifo-Präsident) | Warnt vor politisch festgelegten Sprüngen (z. B. 15 €); die wirtschaftliche Lage könne das nicht hergeben. |
| ifo Institut, Studie/Umfrage (02.12.2025) | Ein Teil direkt betroffener Unternehmen plant als Reaktion auf die Erhöhung Stellenabbau, weniger Investitionen oder höhere Preise. |
| BDA, Statement (27.06.2025) Steffen Kampeter (BDA-Hauptgeschäftsführer) | Betont die Bedeutung eines unabhängigen, regelbasierten Verfahrens; warnt vor politischem Druck auf die Kommission. |
| IW Köln, Interview/Beitrag (2025) Hagen Lesch (Tarifexperte) | Sieht Risiken für „einfache Jobs“ und verweist auf zusätzliche Belastung in schwacher Konjunktur. |
Belegbare Aussagen zum „Mindestlohn“ in Österreich
| Wer / wo / wann | Kernaussage (kurz) |
|---|---|
| Sozialministerium Österreich, Info/FAQ (2025) | Kein einheitlicher gesetzlicher Mindestlohn; Mindestentgelte werden überwiegend in Kollektivverträgen geregelt und sind einklagbar. |
| AMS Österreich, Info-Seite (laufend) | Bestätigt: kein gesetzlicher Mindestlohn für alle; Schutz über Kollektivverträge ist sehr breit. |
| WKÖ, Position (2025) | Plädiert für das bestehende Kollektivvertragssystem („bewährte Praxis“) statt eines gesetzlichen Einheits-Mindestlohns. |
| ÖGB, Beitrag (2023–2025) | Argumentiert für höhere Mindestlöhne in Kollektivverträgen (z. B. Zielmarken wie 2.000 €) zur Verbesserung niedriger Einkommen. |
FAQ
Wie hoch ist der gesetzliche Mindestlohn in Deutschland 2026?
Seit 1. Januar 2026 beträgt er 13,90 € brutto pro Stunde. Zum 1. Januar 2027 steigt er auf 14,60 €.
Gilt der Mindestlohn auch für Minijobs?
Ja. Auch im Minijob muss mindestens der gesetzliche Mindestlohn pro Stunde gezahlt werden. Dadurch steigt 2026 in der Praxis auch die monatliche Minijob-Verdienstgrenze (rund 603 €).
Wer ist vom Mindestlohn ausgenommen?
Typische Ausnahmen sind Auszubildende, Jugendliche unter 18 ohne Berufsabschluss, bestimmte Pflichtpraktika sowie Langzeitarbeitslose in den ersten sechs Monaten einer neuen Beschäftigung.
Bekommen Praktikantinnen und Praktikanten immer Mindestlohn?
Nein. Bei Pflichtpraktika kann der Anspruch entfallen. Bei freiwilligen Praktika hängt es vor allem von Art und Dauer ab.
Was kann ich tun, wenn ich weniger als Mindestlohn bekomme?
Dokumentieren Sie Ihre Arbeitszeiten, sammeln Sie Belege (Dienstpläne, Abrechnungen) und sprechen Sie den Arbeitgeber an. Bei Bedarf helfen Betriebsrat, Gewerkschaft oder arbeitsrechtliche Beratung. Bei schweren Verstößen kann auch der Zoll zuständig sein.
Wie wird der Mindestlohn kontrolliert?
Unter anderem durch die Finanzkontrolle Schwarzarbeit (Zoll). Bei Verstößen drohen hohe Bußgelder und weitere Folgen.
Gibt es Branchen mit höheren Mindestlöhnen?
Ja. In einigen Branchen gelten verbindliche Branchenmindestlöhne, die über dem allgemeinen Mindestlohn liegen können.
Gibt es in Österreich einen gesetzlichen Mindestlohn wie in Deutschland?
Nein. In Österreich werden Mindestlöhne überwiegend in Kollektivverträgen (oder Mindestlohntarifen) festgelegt.












